Sechs Seiten Strategiepapier, Cyber-Vokabular und eine Passage, die für den Krypto-Sektor besonders heraussticht. Die nationale Cybersicherheitsstrategie von US‑Präsident Donald Trump wurde am Freitag veröffentlicht und nennt Kryptowährungen und Blockchain erstmals ausdrücklich als Technologien, deren Sicherheit staatlich unterstützt werden soll.
In einem Dokument, das sonst bewusst abstrakt formuliert wird, wirkt diese Nennung wie eine gezielte Festlegung von Prioritäten.
Die sechsseitige Cyberstrategie von US-Präsident Trump wurde am Freitag veröffentlicht. Quelle: whitehouse.gov
Im Dokument tauchen Kryptowährungen und Blockchain genau einmal auf. Der Satz ist dafür umso klarer. Sinngemäß heißt es:
Die USA wollen sichere Technologien und Lieferketten aufbauen, die die Privatsphäre der Nutzer von der Entwicklung bis zum Rollout schützen, einschließlich der Unterstützung der Sicherheit von Kryptowährungen und Blockchain-Technologien. Alex Thorn, Research-Chef bei Galaxy Digital, griff genau diesen Punkt in einem X‑Post auf. Seine Einschätzung:
»Krypto und Blockchain werden ausdrücklich als Technologien genannt, die geschützt und gesichert werden sollen. Das ist ein Novum für eine US‑Cybersicherheitsstrategie.«
Für Beobachter ist das weniger ein Detail, sondern ein Signal, dass digitale Asset-Infrastruktur in der Bundeslogik nicht mehr nur als Risikooberfläche betrachtet wird.
Parallel liest die Branche zwischen den Zeilen. Thorn verwies auf eine weitere Passage, in der die Regierung ankündigt, kriminelle Infrastrukturen zu „entwurzeln“ und finanzielle Ausstiegswege sowie „sichere Häfen“ zu verweigern.
Genau diese Formulierung wird von Branchenstimmen als möglicher Hebel interpretiert, um stärker gegen Mixer, Privacy Coins und unregulierte Off‑Ramps vorzugehen. Die Strategie wird damit zugleich Projektionsfläche für ein Spannungsfeld:
Schutz von Technologien auf der einen Seite, harte Strafverfolgungslogik gegen bestimmte Tools und Zahlungswege auf der anderen.
Ein weiterer Abschnitt zielt auf die Modernisierung staatlicher IT ab. Dort nennt das Papier explizit Post‑Quantum‑Kryptografie, Zero‑Trust‑Architektur und Cloud-Transition als Bausteine, um Bundesbehörden resilienter zu machen.
Nic Carter von Castle Island Ventures kommentierte die Passage zur Post‑Quantum‑Kryptografie mit sarkastischem Unterton. Er schreibt sinngemäß, die Regierung nehme das Quanten-Thema offenbar sehr ernst, „nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste“.
Zusätzlich betont die Strategie KI als Schwerpunkt, inklusive Absicherung des KI‑Technologie‑Stacks und von Rechenzentren. Trump nennt außerdem die nächste Generation an Fachkräften als Priorität, um neue Cyber-Technologien zu entwickeln und auszurollen.
Mit der expliziten Nennung von Kryptowährungen und Blockchain verschiebt sich ihre Rolle im politischen Koordinatensystem der USA. Sie werden nicht mehr nur als Regulierungsobjekt oder Risikoquelle betrachtet, sondern als sicherheitsrelevante Infrastruktur.
Das ist eine strukturelle Aufwertung. Technologien, die in einer nationalen Cyberstrategie auftauchen, sind nicht mehr Randphänomene, sondern Bestandteil strategischer Planung. Gleichzeitig bleibt der Spielraum für eine harte Durchsetzung gegen Mixer, Privacy‑Tools und bestimmte Off‑Ramps bestehen.
Für den Markt bedeutet das eine doppelte Bewegung: institutionelle Legitimation auf der Makroebene, kombiniert mit potenziell selektiver Regulierung auf der Anwendungsebene. Die entscheidende Frage lautet daher, welche Teile des Krypto‑Ökosystems künftig als systemrelevant gelten und welche als Sicherheitsrisiko eingestuft werden.


