Bitcoin und folglich alle anderen Krypto-Projekte wurden davon abgehalten, eine echte dezentrale Alternative zum Staat zu sein. Stattdessen wurden sie immer mehr Teil genau des Finanzsystems, das sie eigentlich ersetzen sollten.
In einem Interview kam Aaron Day, Mitgründer von Daylight Freedom – einer Stiftung für finanzielle Freiheit und individuelle Selbstbestimmung – zu diesem Schluss wegen seiner persönlichen Erfahrung mit Bitcoin.
Heute ist Bitcoin vorwiegend für seine unabhängigen und zensurresistenten Eigenschaften bekannt. Die Krypto-Community hat dieses Asset schon seit einigen Jahren als digitales Gold bezeichnet.
Day, der ein Kritiker von Kryptowährungen und ein libertärer Denker ist, dachte das früher auch.
Deshalb begann er schon 2012, Bitcoin zu benutzen. Allerdings merkte er schnell, dass sich die Geschichte um Bitcoin ständig veränderte – und oft von echter Dezentralisierung abwich.
Seine ständigen Beiträge in sozialen Medien und seine harte Kritik an einigen der mächtigsten Unternehmen der Branche haben ihm den Ruf eingebracht, ein Verschwörungstheoretiker zu sein.
Seine lange Erfahrung als Krypto-Nutzer und seine Forschung als Fellow am Brownstone Institute geben ihm allerdings eine Sichtweise, die besonders angesichts der wachsenden Verbreitung von Bitcoin schwer von der Hand zu weisen ist.
Als Day, der aus New Hampshire kommt, vor 15 Jahren Bitcoin entdeckte, nahmen viele Läden und Restaurants Bitcoin direkt an. Es funktionierte schon als digitale Währung, mit der man bezahlen konnte.
Der Bundesstaat war in vieler Hinsicht ein guter Ort für solche Versuche mit alternativen Zahlungsmitteln.
New Hampshire, das auch als „Live Free or Die“-Region bekannt ist, wurde zudem zur Heimat des Free State Project. Diese politische Initiative, die 2001 gegründet wurde, brachte etwa 20.000 freiheitsliebende Menschen dorthin, um Gleichgesinnte in einem dünn besiedelten Staat zu sammeln.
Day war Vorsitzender dieses Projekts und interessierte sich deshalb sehr für das Potenzial von Bitcoin.
Obwohl seine Stadt Bitcoin schnell übernommen hatte, änderte sich die Stimmung ab 2017. Laut Day wurde Bitcoin ab diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr nutzbar.
Das war zwar Days erste große Enttäuschung mit der Währung, doch sie war nur der Anfang.
Als Day anfing, Bitcoin zu nutzen, galt es einfach als eine weitere Währung mit dezentralen Vorteilen für den Alltag. Es war nichts anderes.
Diese Veränderungen gingen einher mit dem Aufkommen von Layer-2-Lösungen in Krypto. Diese zusätzlichen Protokolle auf der bestehenden Blockchain sollen die Transaktionen schneller und günstiger machen. Vor allem Segregated Witness (SegWit) und das Lightning Network wurden damals sehr beliebt.
Viele Entwickler meinten, diese Neuerungen wären wichtige technische Kompromisse. Day sah das aber anders.
Für ihn war die technische Debatte um die Zukunft von Bitcoin nicht zu trennen von einem größeren Wandel im Hintergrund – besonders beim Thema, wer die Entwicklung überhaupt finanziert.
Im Jahr 2012 wurde in den USA die Bitcoin Foundation gegründet. Sie sollte die Verwendung der Kryptowährung fördern und das Projekt schützen. Sie unterstützte auch die ersten wichtigsten Entwickler.
Doch schon drei Jahre später brach die Organisation wegen Problemen und Geldsorgen zusammen.
Kurz darauf begann das Massachusetts Institute of Technology (MIT) Media Lab mit seiner Digital Currency Initiative – damals geführt von Joi Ito, der mit Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht wurde – mehrere Bitcoin-Entwickler zu finanzieren.
Für viele in der Krypto-Community war das eine praktische Lösung. Bitcoin ist ein Open-Source-Protokoll und hat keinen offiziellen Firmen-Sponsor. Entwickler benötigen Geld, damit sie weiter an der Kryptowährung arbeiten können.
Allerdings hatte Day wegen des Zeitpunkts Fragen.
Mit der Zeit wurden die Skalierungsprobleme der Blockchain immer deutlicher. Zudem wurde die Entwicklung der Kette immer mehr von gut finanzierten Institutionen bestimmt. Dadurch verlor das Projekt allmählich seinen dezentralen Charakter.
Heute sieht man, dass Bitcoin stark mit Infrastruktur verbunden ist, die direkt an das normale, zentrale Bankensystem geknüpft ist. Börsengehandelte Fonds (ETFs), die mit BTC verbunden sind, Verwahrung durch große Firmen und staatliche Krypto-Reserven sind mittlerweile Teil der Diskussion.
Day fragte sich, ob diese Entwicklung wirklich unausweichlich war oder durch bestimmte Strukturen entstanden ist, die das ursprüngliche Ziel von Bitcoin geändert haben.
Der Beitrag Wurde Bitcoin gekapert? So formen institutionelle Interessen seit 2015 das Narrativ erschien zuerst auf BeInCrypto - Krypto News.


