Der Bitcoin-Kurs steht aktuell unter spürbarem Druck. On-Chain Daten zeigen, dass zuletzt realisierte Verluste in Höhe von rund 4,5 Milliarden US-Dollar verbucht wurden. Damit wurde der höchste Wert seit etwa drei Jahren erreicht. Solche Phasen gelten in der On-Chain-Analyse als typische Kapitulationsereignisse, bei denen Marktteilnehmer ihre Bitcoin unter dem ursprünglichen Kaufpreis verkaufen.
Bitcoin: Realisierte Profite / Verluste. Quelle: CryptoQuant
Realisierte Verluste unterscheiden sich dabei klar von Buchverlusten. Sie entstehen nur dann, wenn Bitcoin tatsächlich mit Verlust verkauft wird. Das macht sie zu einem wichtigen Indikator für den emotionalen Zustand der Marktteilnehmer.
Hohe realisierte Verluste treten meist in Phasen starken psychologischen Drucks auf. Anleger geben Positionen auf, oft aus Angst vor weiter fallenden Kursen. Historisch markieren diese Ereignisse häufig Übergangsphasen, in denen schwache Hände aus dem Markt gedrängt werden und sich die Angebotsstruktur bereinigt.
Kurzfristig belastet das den Bitcoin-Kurs, langfristig bilden solche Phasen jedoch oft die Grundlage für eine Stabilisierung. Ein vergleichbares Szenario war zuletzt zu beobachten, als Bitcoin nach einer längeren Korrektur im Bereich von rund 28.000 US-Dollar gehandelt wurde. Auch damals folgte zunächst keine unmittelbare Rally, sondern eine Phase der Seitwärtsbewegung und Bodenbildung.
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Parallel zu den hohen realisierten Verlusten sorgte ein weiterer Faktor für Unsicherheit beim Bitcoin-Kurs. Die globale Bitcoin Hashrate ging innerhalb weniger Tage massiv zurück. Sie fiel von rund 1,13 Zettahash pro Sekunde auf etwa 690 Exahash pro Sekunde. Ein derart schneller Einbruch ist historisch selten und lässt sich in der Regel nicht durch normale Marktbewegungen erklären.
Die Hashrate beschreibt die gesamte Rechenleistung, die weltweit für das Bitcoin-Mining eingesetzt wird. Sie gilt als zentraler Indikator für die Sicherheit und Aktivität des Netzwerks.
Bitcoin Hashrate. Quelle: CryptoQuant
Im aktuellen Fall deutet vieles darauf hin, dass der Hashrate-Rückgang kein strukturelles Problem darstellt. Stattdessen fällt der Einbruch zeitlich mit einer extremen Kältewelle in den USA zusammen. Die Vereinigten Staaten stellen rund ein Drittel der globalen Hashrate, wobei insbesondere Texas eine zentrale Rolle spielt.
Dort befinden sich zahlreiche große Mining-Farmen, unter anderem von Unternehmen wie MARA Holdings. Durch die extreme Kälte kam es zu Belastungen der Stromnetze, steigenden Preisen und gezielten Abschaltungen. In der Folge mussten viele Miner ihre Anlagen vorübergehend vom Netz nehmen. Bei MARA lag die Hashrate zeitweise rund viermal niedriger als im Monatsdurchschnitt.
Ein Rückgang der Hashrate kann kurzfristig zusätzlichen Druck auf den Bitcoin-Kurs ausüben. Weniger aktive Miner bedeuten längere Blockzeiten und geringere Einnahmen. Sollten solche Phasen anhalten, könnten Miner gezwungen sein, einen Teil ihrer Bestände zu verkaufen.
Strukturell bleibt das Netzwerk jedoch stabil. Das Bitcoin-Protokoll passt sich automatisch an. Sinkt die Hashrate, wird bei der nächsten Anpassung die Mining Difficulty reduziert. Aktuell wird eine Absenkung von rund 4,5 % erwartet. Das verbessert die Situation für aktive Miner. Sobald sich Wetterlage und Stromversorgung normalisieren, kehrt die Hashrate in der Regel zurück.
Die Kombination aus rekordhohen realisierten Verlusten und einem temporären Hashrate-Schock zeigt einen Bitcoin-Kurs unter erheblichem Druck. Gleichzeitig sprechen die Daten für eine klassische Bereinigungsphase. Anleger kapitulieren, operative Belastungen treten auf, während die Netzwerkstruktur intakt bleibt.
Historisch waren solche Phasen häufig Vorboten einer Bodenbildung oder zumindest einer Übergangsphase. Kurzfristige Volatilität bleibt wahrscheinlich, doch aus struktureller Sicht liefern die aktuellen On-Chain-Daten weniger Hinweise auf ein dauerhaftes Problem als auf eine notwendige Marktbereinigung.

