In den vergangenen Wochen beobachten wir eine deutliche Veränderung im Verhalten der Anleger. Kapital fließt zunehmend zurück in Richtung Sicherheit und Stabilität. Kaum ein Ort macht dieses Muster so deutlich sichtbar wie die Schweiz.
Der Schweizer Anleihemarkt dient seit Jahrzehnten als Barometer globaler Unsicherheit – und genau dort senden die Märkte derzeit erneut klare Signale. So deutlich, dass sogar negative Zinssätze wieder Realität werden könnten.
Anleger sind bereit, extrem niedrige – bei kurzfristigen Laufzeiten sogar negative Renditen – in Kauf zu nehmen. Nicht, weil es der Schweizer Wirtschaft schlecht ginge, sondern weil der Rest der Welt als weniger berechenbar wahrgenommen wird.
Steigen die Sorgen um das Wirtschaftswachstum, bleibt die Inflation hartnäckig niedrig oder nehmen geopolitische Spannungen zu, dann hat Kapitalerhalt Vorrang vor Rendite. Sollte das nicht eigentlich das perfekte Umfeld für Bitcoin (BTC) sein?
Negative Zinsen in der Schweiz sind kein Zeichen eines fehlerhaften Systems, sondern ein Symptom einer Welt, in der Sicherheit knapp geworden ist.
Die Botschaft der Zinskurve ist eindeutig: Anleger bevorzugen Liquidität und Sicherheit gegenüber Ertrag.
Auch die Form der Kurve spricht Bände. Kurzlaufende Schweizer Staatsanleihen notieren negativ, weil der Markt erwartet, dass die Geldpolitik expansiv bleibt und die Inflation unter Kontrolle ist.
Langfristige Anleihen bringen leicht positive Renditen – als minimale Entschädigung für Kapitalbindung. Doch diese Renditen bleiben niedrig, da der Markt kein Szenario strukturell hohen Wachstums oder steigender Inflation einpreist.
Dies ist ein leiser Hinweis auf eine Zukunft mit schwächerem Wachstum, moderater Inflation und häufiger eskalierenden Spannungen.
Und genau in diesem Umfeld zeigt sich Bitcoin derzeit anfällig und schwach.
Bitcoin besitzt in der Theorie Eigenschaften, die ihn zu einem sicheren Hafen machen könnten: begrenztes Angebot, Unabhängigkeit von Staaten und ein fest definiertes monetäres System. Doch in der Praxis sehen Investoren das (noch) nicht so.
Wenn Unsicherheit zunimmt und Kapital Schutz sucht, fließt es nicht in Bitcoin, sondern in Staatsanleihen wie die der Schweiz – oder in Gold.
Das ist kein Zufall: Sichere Häfen entstehen nicht in wenigen Jahren, sondern über Jahrzehnte. Nicht umsonst halten Zentralbanken Goldreserven, aber keine Bitcoin.
Bevor sich dieses Bild ändert, braucht es viele Jahre, in denen Bitcoin sich konsistent als Wertspeicher in Krisenzeiten bewährt.
Bis dahin ist es riskant, zu hohe Erwartungen an Bitcoin als sicheren Hafen zu stellen. Das Narrativ hinkt der Realität des tatsächlichen Anlegerverhaltens hinterher.
Derzeit wird Bitcoin von den meisten als risikobehaftetes Anlagegut betrachtet: ein Asset, das profitiert bei hoher Liquidität, niedrigen Zinsen und gesteigerter Risikobereitschaft.
Die aktuelle Bewegung hin zu Sicherheit und Stabilität wirkt damit gegen Bitcoin. Solange Kapital Sicherheit über Wachstum stellt, stehen Assets, die von Risikofreude und Liquidität abhängig sind, unter Druck.
Das sagt weniger über das langfristige Potenzial von Bitcoin aus – mehr über die Phase im aktuellen Marktzyklus, in der wir uns befinden.
Bitcoin ist noch nicht das „digitale Gold“ für Krisenzeiten. Derzeit ist es vielmehr ein Spiegelbild der globalen Liquidität. Und solange diese Liquidität in Richtung sicherer Häfen fließt, ist Schwäche bei Bitcoin eher logisch als alarmierend.
Het bericht Digitales Gold? Großanleger meiden Bitcoin verscheen eerst op Crypto Insiders.


